Familie Kinzelbach

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Die Familie Kinzelbach stammt aus Stuttgart. Der Großvater Christian Friedrich Kinzelbach (1767-1847) betrieb in der Königstraße ein Knopfgeschäft und war Hofknopfmacher und Stadtrat. Er hatte 4 Kinder, von denen Heinrich August (1795- 1874) der älteste gewesen ist.
Der Finanzpräsident Karl Friedrich Wilhem von Speidel (1773- 1855) in Ellwangen hatte 4 Töchter und war, hoch angesehen als einer der höchsten Beamten der Stadt. Er hatte ein großes Haus und galt daher als sehr vermögend. Als er aber starb, war nichts mehr vorhanden.
August Kinzelbach kam jung als Schreiber in dessen Kanzlei und war von dem ältesten, damals 5-jährigen Töchterchen Marie so entzückt, daß er sich etwas von seinem Gehalt absparte, um ihr Süßigkeiten zu kaufen. Als sie erwachsen war, heiratete er sie.

Großmutter Sophie Haas, geb. Tafel, die ihre Schuljahre zum Teil bei ihren Großeltern Kinzelbach in Königsbronn und in Stuttgart verbrachte, schilderte ihn folgendermaßen: „Mein Großvater Kinzelbach war ein Ehrenmann in des Wortes wahrster Bedeutung, ein treuer und pflichtgetreuer Beamter, wie es keinen besseren gab, ohne jeden Egoismus und durch und durch gut, mitleidig und weichherzig, heiteren und sonnigen Gemüts, wie man es wohl nicht leicht findet, dagegen nicht energisch und wohl auch nicht, was man geistreich nennt. Doch erinnere ich mich gut, daß er über alles ein klares, richtiges Urteil hatte und daß er sich für alles interessierte, was in der Welt vorging“.
Die Urgroßmutter, nicht groß, mager und eigentlich schwächlich aussehend, war äußerst energisch, unermüdlich fleißig und tätig und sehr gescheit. Ihr Mann bewunderte und verehrte sie rückhaltlos und vertraute ihr in jeder Beziehung. Meine Mutter hat mir oft erzählt, wie sparsam sie war, und wie sie die Kartoffeln in den Topf gezählt hat, um bei dem kleinen Beamtengehalt ihren Kindern die beste Erziehung geben zu können.
Am 4. September 1831 wurde diesem Ehepaar in Tübingen als ältestes Kind die Urgroßmutter Bertha geboren. Kurz darauf wurde der Vater als k. Hüttenkassier nach Königsbronn versetzt, wo er bis zu seiner Pensionierung lebte. Diese Tochter Bertha war ein außerordentlich lebhaftes, begabtes und in frühester Jugend schon auffallend pflichtgetreues Kind, das überhaupt nie gezankt werden mußte.
Ihre Mutter setzte es durch, daß sie ganz gegen die in Beamtenkreisen jener Zeit herrschende Sitte, die beste Erziehung und und Bildung erhielt, die man damals einem Mädchen in Württemberg geben konnte. Schon früh kam sie in eine gute Töchterschule in Ellwangen und anschließend für 2 Jahre in das Töchterpensionat von Korntal, welches damals für das beste derartige Institut Württembergs galt.
Das bedeutete natürlich ein großes pekuniäres Opfer, umso mehr, als zu dieser Zeit auch die beiden jüngeren Söhne in der Stadt auf der Schule waren. Aber die Tochter zeigte sich auch dankbar, dadurch daß sie mit einem seltenen Eifer, einer Hingabe und einem Genuß alles, was ihr geboten wurde, lernte und sich zu eigen machte. Sie war besonders begabt für alle mathematischen Fächer – war z.B. eine hervorragende Schach- und Kartenspielerin – für Aufsatz und für Handarbeiten. Sprachtalent hatte sie weniger.
Mit 16 Jahren kehrte sie wieder nach Hause zurück und verlebte glückliche Zeiten, denn mit ihren beiden Eltern lebte sie in inniger Freundschaft und daß man ungeheuer fleißig war und von früh bis spät arbeitete, was für sie ganz selbstverständlich. Nie stand man im Sommer später auf als 1/2 6 Uhr, im Winter um 1/2 7 Uhr. Bis in die Nacht hinein wurde genäht und die feinsten Handarbeiten beim Schein einer Kerze gemacht, obgleich die Tochter immer zart war und bald von einer in abnorm heftigen Grad auftretenden Bleichsucht heimgesucht wurde.
Von der Einfachheit und Anspruchslosigkeit, die im ururgroßelterlichen Hause (Kinzelbach) herrschte, kann man sich heutzutage kaum mehr einen Begriff machen. Davon aber, daß sich irgend jemand deshalb bedrückt oder gar unglücklich gezählt hätte, war keine Rede. Im Gegenteil sagte meine Großmutter oft, daß bei ihren Eltern vom Geld so gut wie nie gesprochen worden sei: Ihr Vater habe seiner Frau alles gegeben, sie habe schauen müssen, wie sie es einteilte, aber so, wie sie es gemacht habe, sei es dann auch der ganzen Familie recht gewesen.

Bald lernte Bertha Kinzelbach den Assistenten Julius Tafel kennen (im „Rössle“, wie schon einmal erwähnt) und faßte eine leidenschaftliche Liebe zu ihm. Am 17. Februar 1850 verlobte sie sich, erst 18-jährig, zum großen Schmerz ihres Vaters, der die einzige Tochter nicht so früh hergeben wollte.
Aus den Erinnerungen von Bertha Manchot, geb. Haas

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